Nager
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Die Nagetiere (Rodentia) stellen die größte
Ordnung der Säugetiere dar. Sie sind mit mehr als 1700 Arten weltweit
verbreitet und haben eine Vielzahl von verschiedenen Lebensräumen besiedelt.
Ihre Körpergröße variiert von etwa 5 Zentimetern bei der Afrikanischen
Zwergmaus bis etwa 130 Zentimetern beim Capybara (Wasserschwein), die
überwiegende Mehrzahl der Arten hat jedoch eine Körpergröße zwischen 8 und
35 Zentimetern. Anatomie
Die Körperform der Tiere ist weitestgehend einheitlich bis auf wenige
Ausnahmen, die in speziellen Lebensräumen leben und entsprechende
Anpassungen aufweisen (Sprungbeine, Grabbeine, Gleitflächen etc.)
Gebiss
Das wichtigste Merkmal am Gebiss der Nagetiere stellen die vergrößerten
Schneidezähne im Ober- und im Unterkiefer dar.
Das bleibende Gebiss umfasst 16 oder 20 Zähne. Es besitzt in jeder
Kieferhälfte einen Schneidezahn (Dens incisivus, I), der auch als Nagezahn
bezeichnet wird. Die Nagezähne des Unterkiefers sind meist länger als die
des Oberkiefers. Hinter ihnen folgt eine als Diastema bezeichnete Lücke,
Eckzähne sind nicht ausgebildet. Vordere Backenzähne (Prämolare, P) sind bei
den meisten Arten ebenfalls nicht ausgebildet, bei den
Meerschweinchenartigen (Cavioidea, zum Beispiel Meerschweinchen, Chinchilla)
gibt es jedoch einen. In jeder Kieferhälfte gibt es 3 hintere Backenzähne
(Molare, M).
Ein Zahnwechsel findet meist nicht statt (Monophyodontie), lediglich
Meerschweinchenartige (Cavioidea) besitzen Milchzähne, die allerdings schon
vor der Geburt durch die bleibenden ersetzt werden.
Die Nagezähne sind generell wurzellose Zähne. Sie haben eine zum Zahnfach
hin offene Zahnhöhle und wachsen zeitlebens. Die Backenzähne haben dagegen
bei den meisten Arten ein begrenztes Wachstum. Eine Ausnahme machen wiederum
Meerschweinchenartige, bei denen alle Zähne wurzellos sind und deshalb bei
Heimtieren auch die Backenzähne regelmäßig kontrolliert werden müssen.
Linke und rechte Gebisshälfte verhalten sich identisch, so dass
üblicherweise nur eine Seite dargestellt wird. Grafisch lässt sich die
Zahnformel der meisten Rodentia so ausdrücken:
Für Meerschweinchenartige (Cavioidea) gilt die Formel:
Das Gebiss ist mit ausgesprochen starken Kaumuskeln versehen, wobei
besonders der Musculus masseter eine wichtige Rolle spielt. Durch die
typische Anordnung dieser Muskulatur erhalten alle Nager eine recht ähnliche
Kopfform.
Lebensweise
Europäischer ZieselDie meisten Nagetiere sind nacht- oder dämmerungsaktiv,
viele sind jedoch auch tagsüber anzutreffen. Sie leben einzeln oder in
Gruppen, die im Fall der Nacktmulle (Heterocephalus glaber) mehr als 100
Tiere umfassen können. Nagetiere leben in allen Lebensräumen einschließlich
des Luftraumes, den einige Arten wie die Gleithörnchen gelegentlich nutzen.
Sie fehlen nur in der Antarktis und auf einigen kleineren Inseln sowie im
Meer.
Nagetiere und Hasenartige haben eine besondere Anpassung an die pflanzliche
Ernährung entwickelt, die Caecotrophie, bei der Nahrung durch Aufnehmen
bestimmter Formen des Kots zweimal den Ernährungstrakt durchläuft.
Externe Systematik
Ursprünglich wurden die Nagetiere mit den Hasenartigen zu einer gemeinsamen
Ordnung Glires zusammengefasst. Nachdem dieses Konzept zwischendurch
gänzlich verworfen worden war, gibt es neuerdings wieder Befürworter einer
Theorie, nach der es eine enge Verwandtschaft zwischen beiden Taxa gebe. Die
Hasenartigen sind demnach die Schwestergruppe der Nagetiere, mit denen sie
zu einem gemeinsamen Taxon (Glires) vereint werden. Glires wird manchmal
einem weiter gefassten Taxon (Anagalida) zugeordnet, dem als Schwestergruppe
der Glires die Rüsselspringer zugeordnet werden.
Diese Thesen bleiben aber nicht unwidersprochen. Andere Untersuchungen
kommen zu gegenteiligen Ergebnissen und sehen die Hasenartigen in einer
gänzlich verschiedenen Stammlinie. Die Positionierung der Rüsselspringer in
der Nähe der Nagetiere widerspricht außerdem dem auch in Wikipedia
übernommenen Konzept, nach dem beide den unterschiedlichen Großgruppen der
Afrotheria und Euarchontoglires zuzuordnen sind.
Traditionell wurden die Nagetiere in drei Unterordnungen: die Sciuromorpha
(Hörnchenverwandte), Myomorpha (Mäuseverwandte) und Hystricomorpha
(Stachelschweinverwandte). In jüngerer Zeit hat man allerdings erkannt, dass
die Systematik der Nagetiere weit komplexer ist. Eine Reihe von Autoren
erkennen nur noch zwei Unterordnungen an: Sciurognathi und Hystricognathi,
die nach der Struktur des Unterkiefers unterschieden werden. Der folgende
Ansatz folgt hingegen weitgehend Malcolm McKenna und Susan Bell (Classification
of Mammals), mit einigen Abänderungen auf der Ebene der Familien.
Ordnung Nagetiere
Unterordnung Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Stummelschwanzhörnchen (Aplodontiidae)
Hörnchen (Sciuridae)
Biber (Castoridae)
Unterordnung Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Überfamilie Meerschweinchenartige (Cavioidea)
Pakas und Agutis (Cuniculidae)
Pakarana (Dinomyidae)
Meerschweinchen (Caviidae)
Riesennager (Hydrochoeridae)
Überfamilie Trugrattenartige (Octodontoidea)
Trugratten (Octodontidae)
Stachelratten (Echimyidae)
Baumratten (Capromyidae)
Überfamilie Chinchillaartige (Chinchilloidea)
Chinchillas (Chinchillidae)
Chinchillaratten (Abrocomidae)
(nicht zugeordnet)
Stachelschweine (Hystricidae)
Baumstachler (Erethizontidae)
Felsenratte (Petromuridae)
Rohrratten (Thryonomyidae)
Sandgräber (Bathyergidae)
Laotische Felsenratte (Laonastidae)
Unterordnung Dornschwanzhörnchenartige (Anumaluromorpha)
Springhasen (Pedetidae)
Dornschwanzhörnchen (Anomaluridae)
Unterordnung Kammfingerartige (Sciuravida)
Kammfinger (Ctenodactylidae)
Unterordnung Mäuseverwandte (Myomorpha)
Bilche (Gliridae)
Taschenratten (Geomyidae)
Taschenmäuse (Heteromyidae)
Springmäuse (Dipodidae):
Langschwanzmäuse (Muridae)
Nesomyidae
Die Hörnchenverwandten, die meistens an die Wurzel der Nagetiere gestellt
werden, stellen wahrscheinlich eine paraphyletische Gruppe; alle weiteren
Unterordnungen mit Ausnahme der Stachelschweinverwandten scheinen aus
diesen hervorgegangen zu sein.
Besonders umstritten ist die Systematik der Stachelschweinverwandten.
Hierin gibt es eine Reihe südamerikanischer Gruppen (Meerschweinchen,
Chinchillas und Verwandte, auch als Caviomorpha zusammengefasst), die nach
Meinung mancher Zoologen ganz aus den Nagetieren herauszunehmen sind. Die
These, dass die Meerschweinchen und ihre Verwandten ein eigenes Taxon
außerhalb der Nagetiere stellten, wurde zuerst 1991 von Graur, Hide und Li
in einem Artikel für Nature aufgestellt. Demnach wären die Nagetiere eine
polyphyletische Gruppe, die als einheitliches Taxon nicht mehr haltbar
wären. Diese Theorie ist allerdings umstritten; anhand früher Fossilien
glauben manche Zoologen nachweisen zu können, dass die Caviomorpha in
Afrika entstanden sind und von hier über Treibholz nach Südamerika gelangt
sind, das im späten Eozän längst nicht so weit von Afrika entfernt gelegen
hatte wie heute.
Quelle: Wikipedia -
http://de.wikipedia.org/wiki/Nagetier
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